Radfahrstadt – die Lokalpolitik muss umlenken

Die Lokalpolitik muss umlenken
„Es liegt weniger am Können, als am Wollen.“ Wenn der Onlinetalk des Ortsverbands der Grünen Jever zusammengefasst werden müsste, dann wohl mit diesem Zitat. Am vergangenen Mittwoch fand die sehr gut besuchte digitale Veranstaltung zum Thema Fahrradstadt Jever statt. Mitglied im OV Jever und Bundestags-Kandidatin von Bündnis 90/Die Grünen Sina Beckmann moderierte durch den Abend. Angesetzt waren dabei 90 Minuten, doch es wurde viel diskutiert und gute Argumente ausgetauscht, dass sogar die 120-Minuten-Marke gerissen wurde. „Ich habe selten einen so engagierten Onlinetalk moderieren dürfen, der so zielgerichtet war und praktische Ideen geliefert hat.“, zeigte sich Sina Beckmann begeistert. Doch der Reihe nach. Oliver de Neidels, Rad-Aktiver Bürger in Jever, gab zunächst einen kurzen Input und seine Einschätzung zur Fahrradpolitik in der Marienstadt: „Der jetzige Zustand ist einfach nicht Fahrradfreundlich, das muss ich so klar sagen. Radfahrende können auf den kombinierten Fuß-/ Radwegen fahren oder auch auf der Straße, da es keine benutzungspflichtigen Radwege mehr gibt. Somit sind wir quasi überall geduldet, aber nur selten erwünscht.“
Bernhard Zimmering, Mitglied des Vorstandsteams des ADFC Friesland (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) legt ebenfalls den Finger in die Wunde. Er bemängelte insbesondere die Breite der kombinierten Fuß- und Radwege an den Hauptverkehrswegen. „Hier ist in den vergangenen Jahrzehnten grundsätzlich die Aufteilung der Verkehrsfläche zugunsten des Autos gewählt worden. Das muss sich jetzt ändern.“ Dazu rief Zimmering alle Beteiligten auf, sich aktiv für die Verkehrswende einzubringen. So könnten jetzt im Frühjahr und auch im Sommer wieder Rad-Demos auch mit Corona-Auflagen organisiert werden und weitere Veranstaltungen (gerne auch online) zum Thema Fahrrad-Mobilität stattfinden. Auch der Eintritt beim ADFC (https://www.adfc-friesland.de/) ist eine gute Möglichkeit, um gemeinsam mit Gleichgesinnten das Thema weiter nach vorne zu bringen. Unter den Teilnehmer*innen warb der Bürgermeister-Kandidat Karl Oltmanns klar für die Verkehrswende in der Kreisstadt: „Mit dem Bekenntnis des Rates der Stadt Jever, jedes Jahr im 6-stelligen Bereich in den Radwegebau zu investieren sowie dem Radwegeplan und den Ideen von radfahren-in-jever.de gibt es für das laufende Jahrzehnt beste Vorrausetzungen zur Besserung.“ Festgestellt wurde auch, dass sich das Klima zwischen Auto- und Radfahrer in jüngster Vergangenheit verbessert hat und mehr Rücksicht gegeneinander geübt wird. Dies ist insbesondere daher wichtig, da das Radfahren grundsätzlich auf ALLEN Straßen in Jever zulässig ist.Konkret gab es Vorschläge zur Umsetzung einer größeren Fahrrad-Freundlichkeit in Jever. Beispielsweise kann die gesamte Straße von Famila bis zu Aldi ein Mal durch die Stadt zur Fahrrad-Straße ausgebaut werden. Die Mittel seien dafür vorhanden, nur die Streckenplanung wird eine Herausforderung in der 500 Jahre alten Stadt mit viel Denkmalschutz. Auch die Schützenhofstraße und in deren Verlängerung die Bahnhofsstraße wurden thematisiert. Hier könnten die Parkplätze an den Seiten einer Fahrradstraße weichen, außerdem soll Tempo 30 vor den Berufsbildenden Schulen und der Kindertagesstätte für weniger gefährliche Situationen sorgen. Insgesamt fand die Idee großen Anklang, diese gesamte Innenstadt unter Tempo 30 zu stellen. „Die Lokalpolitik muss sich bewegen und nicht immer die Schuld auf andere Zuständigkeiten in Bund und Land verschieben! Für einige Bereich ist ganz alleine die Stadt Jever zuständig. Das Geld ist da, es muss jetzt gehandelt werden.“

Es gab außerdem einen sehr angeregten Austausch zu den verschiedenen Maßnahmen in den Nachbarkommunen mit vielen Beispielen aus den Niederlanden und Dänemark. Pop-up-Radwege, Radschnellwege, Parking-Day, Lastenradförderung, regelmäßige Vernetzung von allen Fahrrad-Akteur*innen, Begegnungsräume sowie eine begleitende Bürgerbeteiligung wurden erörtert. Da das Thema sehr aktuell und in die Zukunft gerichtet ist, wird es mit Sicherheit eine Fortsetzung des Online-Talks geben. Vermutlich vorher wird eine Rad-Demo, geplant als Sternfahrt von verschiedenen Orten in Friesland und Wilhelmshaven, nach Dangast stattfinden. Aktive der Organisation FrieslandZero sind derzeit noch beim letzten Feinschliff, einen Termin und eine Uhrzeit gibt es aber schon. Am Samstag, 24.04. sind alle Interessierten und Rad-Aktive eingeladen, sich der Fahrrad-Tour aus den verschiedenen Orten anzuschließen. Um 14 Uhr wird es dann, natürlich mit den dann geltenden Corona-Regeln, eine Kundgebung in Dangst am Strand geben. Weitere Informationen gibt es auf www.frieslandzero.de.

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